lonely

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Einsam. Einsam und alleine. Ein Einzelgänger. Das passte. Abgeschottet von jeglichem menschlichen Kontakt, abgeschirmt von den Menschen, die sich um mich sorgten, denen ich etwas bedeutete. Niemand dem man vertrauen kann, niemand der einem zur Seite steht und niemand der dir ein ‚Alles wir wieder gut.‘ ins Ohr flüstern kann. Einsam in der Stadt die keine Ruhe kennt, die niemals schläft. Die Stadt in der die Menschen einem nach dem Leben trachteten, in der man zu einer Ausgestoßenen wurde. Die Stadt die einen verändert hat, die einen nicht nur in das Böse in jedem Menschen glauben ließ, sondern einem das Böse in jedem Menschen deutlich vor Augen führte. Die Stadt in der der Traum zum Albtraum wurde und die Stadt von der man einfach nicht loskam, weil sie einen gefangen hielt.

Die kühle Dunkelheit umfing mich noch immer wie ein sanfter Schleier, obwohl die Sonne langsam aufging. Die Nebenschwaden, die sich zwischen die Häuserschluchten gesetzt hatte, zogen sich langsam zurück, als würden sie Platz für die Menschen machen, die bald eilige herumrennen würden. Jeder in seine eigenen Probleme und Gedanken versunken. Und ich befand mich mitten drin. In der Surrealität, die ich noch immer nicht für Realität halten konnte. Ich hatte immer geglaubt, dass sowas niemals passieren würde. Mir doch nicht. Ich musste ein freudloses Auflachen unterdrücken. Mein Leben hatte eine 180° Wendung gemacht und mich so schnell mitgerissen, dass mir schwindlig wurde, ich die Sicht verloren hatte und nun benebelt umher wankte in der Hoffnung irgendwo Halt zu finden.

Manchmal hatte ich das Gefühl zwischen all den Lügen und Ängsten zu ertrinken, als würden sie mich einholen, über mich hereinbrechen, wie die Wellen eines gigantischen Sturms. So hilflos und ängstlich hatte ich mich schon lange nicht mehr – vielleicht sogar noch nie gefühlt. Jeder Schatten der zu einer potenziellen Gefahr heranwuchs, jede Person, die einem über den Weg lief, die zu einem Feind wurde oder es jeden Moment werden konnte.

Ich war es leid. Ich war es leid mich zu verstecken, unsichtbar zu sein. Wie ein Geist durch die Straßen zu schleichen, mit dem Ziel von niemandem wahrgenommen zu werden. Ein niemand zu sein. Jemand der lebte, ohne Freude, ohne Interessen, ohne Vertraute. Eine Person der ich nie viel zu sagen gehabt hätte, der ich aus dem Weg gegangen wäre, doch nun war ich selbst zu so einer Person geworden.

 

Doch dann erinnerte ich mich wieder daran – wie so viele Male zuvor schon, wieso ich hier war.

Weil ich keine andere Wahl hatte und es keine andere Möglichkeit gab.

Weil ich sonst schon längst tot wäre.

 

Der Text ist aus dem Prolog eines Werks an dem ich schon seit langer Zeit arbeite und bezieht sich deshalb (glücklicherweise) nicht auf mich. Trotzdem wollte ich euch diesen Text und die Fotos zeigen. Die Fotos sind übrigens am Bodensee entstanden. Ich wünsche euch eine schöne Woche. Auch für mich geht es ab Dienstag wieder zurück in die Schule.

Wie hat euch der Text gefallen?

 


 

 

Lonely. Lonely and desolated. A loner. That’s fitting. Sealed of any human contact, shielded from the people who cared, who I meant something to. Lonely. No one I can trust, no one who supports me, no one who wispers „Everything is gonna be alright“ into my ear. Lonely in the city who doesn’t know any silence, that never sleeps. The city, where people seek my blood, where I turned into an outcast. The city that changed me, that made be believe in the evil inside every human. The city where the dream mutated into a nightmare and the city from which I couldn’t get away because it kept me trapped.

The cool darkness still surrounded me like a soft veil, although the sun was starting to rise. The early morning mist that settled between the urban canyons was starting to fade almost as if it would clear the way for the people that would soon run around. Everyone engrossed in their own problems and thoughts.

And I was in the thick of it. In the surreality, that I still coudn’t think of the reality. I always thought that something like this would never happen. Not to me. I had to suppress a mirthless laugher. My life has made a 180° change, has carried me away so fast I got dizzy and staggered around without any view hoping that I would somehow found stability in anything.

Sometimes I felt like drowning between all those lies and fears, as if they would overtake me and descend upon me like waves of a giant storm. I don’t know when I lastly felt that anxious and helpless – probably I have never that way before. Each shadow growing into a potential danger, each person crossing my way turning into an enemy.

I was sick of it. Trying to hide, trying to be invisible. Being lonely Sneaking through the streets like a ghost, always fearing to be seen by anybody. Being a nobody. Someone who is alive but doesn’t live. No friends, no interest, no trust. A person I never could have talked to a lot and I probably would have avoided one year ago, but now I was exactly this person.

But the I remembered – like I did so often – why I was here.

Because there was no other way, no other possibility.

Because otherwise I already would have died.

 

 

This text is the prologue to a story I’ve been working on for a very long time now and this text about me (luckily). But I still wanted to share the text and the photos with you. By the way we took these photos at the ‚Bodensee‘. I wish you all a wonderfull week. 

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