Kolumne: Warum wir beim Dating weniger an Magazine denken sollten

Kann Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.

 

E

s ist Samstag. Mir ist langweilig. Ich war heute wirklich produktiv, habe mich etliche Stunden intensiv mit den Neuregelungen im Schuldrecht auseinandergesetzt. Nichtsdestotrotz ist mein Gehirn erschöpft und ich bin nicht mehr in der Lage meinen verbleibenden Abend in irgendeinerweise gewinnbringend oder ereignisreich zu gestalten.

Mein Blick fällt auf die Zeitschriften in meinem Regal. Früher habe ich gerne diese Fashion- und Lifestylemagazine gelesen. Seit meinem Studium bin ich aber auf Zeitschriften zur juristischen Ausbildung und Rechtssprechung umgestiegen. Ein Umstieg den ich nie bereut habe, sondern vielmehr begrüßt habe. Diese Zeitschriften waren nämlich eine seichte Unterhaltung, aber oftmals ihr Geld in Anbetracht der Werbeüberfüllung nicht wert. Trotzdem habe ich sie alle behalten und zu Dekorationszwecken in mein Regal gestellt. So hatten sie immerhin einen ästhetischen Zweck erfüllt.

Und so ereignete es sich, dass ich mich wenige Sekunden später auf der Homepage besagter renommierter, und deutschlandweit bekannter Magazine wiederfand. Die Fashion- und Beauty-Kategorie übersprang ich relativ schnell, bis mir jedoch ein Goldstück journalistischer Arbeit ins Auge stacht. Ich erinnerte mich zwar daran, öfter mal Artikel im Stil von „10 Anzeichen, dass er dich mag.“ oder „5 Dinge, die Männer absolut abtörnend finden“ in meinen Magazinen gesehen und vielleicht sogar überflogen zu haben, intensiv auseinandergesetzt hatte ich mich mit diesen jedoch nie. 

Ein böser Fehler, wie ich in den nächsten Minuten feststellen sollte. Denn wie Schuppen fiel es mir vor die Augen – dort lagen all die Gründe, die dazu führten, dass ich jetzt gerade in diesem Moment allein auf dem Sofa saß.

Da gab es äußerst famose Tipps wie: „Schreibt der dich mit ‚Hey, Sexy‘ oder ‚Hi, Hase‘ an, will er nur eine Affäre.“

Wieso war mir diese höchst relevante Information bislang vorenthalten geblieben? Ich war wahrscheinlich schon als ganzer Streichzoo betitelt worden, während ich mich fragte ob Hasen angenehme Zeitgenossen sind. Dabei hatte der arme Kerl verzweifelt versuchte seine Absichten kund zu tun. Weiterhin erfuhr ich, dass die Frage „Was hast du gerade an?“ ebenfalls eine amouröse Anspielung darstellte. Auch hier musste ich feststellen, dass ich mir meiner wahrheitsgemäßen Antwort „Meine alte Jogginghose und Kuschelsocken. Aber einer hat schon ein Loch.“ wohl auch nicht auf ganzer Linie überzeugen konnte. Gespräche über Körperlichkeiten zu führen, ging übrigens auch schon in Richtung lockere Affäre. Mir war überhaupt nicht bewusst gewesen, dass meine leidenschaftlich vertreten Theorie zum Infektionsrisiko mit Brech-Durchfall in den Wintermonaten eine derart anzügliche Note besaß. Na gut. Man lernt nie aus.

Das Ziel dieser Recherche war nun auch keine beiläufige Affäre, sodass ich an einem Beitrag hängen blieb, der mir verraten sollte, welche Fragen ich bei einem ersten Date tunlichst vermeiden sollte.

Besonders dramatisch wird hier die Frage „Trinkst du auch so gerne Gin Tonic wie alle anderen Männer?“ eingeschätzt. Den meinem Gegenüber würde dabei unverzüglich eine Frage durch den Kopf gehen und dass würd – ich zitiere – „ihm in Neonbuchstaben über dem Kopf leuchten“. Die Frage lautet allen Ernstes: „Mit wie vielen Männern hast du das hier schon gemacht?“ Ernsthaft? Ich kenne ja schon kaum eine Frau, jedoch sicherlich keinen einzigen Mann, der solch überinterpretierende Gedankengänge an den Tag legt.

Jetzt mal ganz im Ernst: Es kann doch nicht wahr sein, dass mir ein Onlinemagazin erklären muss, dass ich beim ersten Date nicht nach Gehalt oder Anzahl der Sexpartnerinnen frage? Kommt man da nicht selber drauf? Ich weiß nicht, ob ich es beunruhigender finden soll, dass es Autoren gibt, die diese Ratschläge, die sich an Brillanz und Innovation gegenseitig überbieten, oder ob es (und das war wohl viel realistischer) einfach genug Frauen gab, die solche Beiträge lesen wollten. Ich habe doch tatsächlich einen Artikel gefunden, der versprachen zu erklären, wie man denn Männersignale deuten konnte. Und der letzte Punkt lautet doch ernsthaft: „Er sagt: ‚Ich will dich. Jetzt.'“ Und das war dann wirklich der Moment, indem ich nicht anders konnte, als loszulachen. Wenn das nicht eindeutig war, was war es denn dann? Brauchst du’s vielleicht noch schriftlich? und notariell beurkundet? 

 

Visualisieren wir und das einmal anhand eines willkürlichen Beispiels um die Bandbreite dieses erleuchtenden Tipps komplett zu umreißen:


 

Es ist ein lauer Sommerabend, das Zwitschern der Vögel ist bereits verstummt und ist einer sanften Stille gewichen, die sich über die Stadt gelegt hat. Ich wende den Blick von der Straße ab und blicke in sein Gesicht, dass ich durch die Dunkelheit nur noch schemenhaft ausmachen kann. Wir stehen vor meiner Haustür. „Das war ein wirklich schöner Abend.“ will ich sagen, doch lasse mich durch seine Hand unterbrechen, die sanft meinen Unterarm umfasst, über meine Haut gleitet und schließlich meine Finger mit seinen verschränkt. Währenddessen zieht er mich näher an sich und raunt mir ein: „Ich will dich. Jetzt.“ ins Ohr. Ich weiche zurück. „Wie meinst du das?“ frage ich, etwas verunsichert. Er sieht mich an, nun scheint auch er verunsichert: „Ja… so wie ich es gesagt habe.“ Ich kann ihm das nicht ganz glauben – stand er etwa auf mich? Hat er vielleicht gar nichts festes im Sinn? Dagegen sprach, dass er mich noch nie gefragt hatte, was ich gerade anhatte. Er hatte mich auch nicht als starkbefelltes, nach allgemeiner Ansicht als süß geltendes Tier bezeichnet. Skeptisch sehe ich ihn an. Die Signale widersprechen sich hier ja wohl eindeutig. Er weicht mittlerweile meinem fragenden Blick aus und löst seine Hand von meiner, zögern noch kurz bevor er mich irgendwie unbeholfen umarmt und sich dann mit einem „Na, dann… äh… Gute Nacht.“ in die Dunkelheit verabschiedet. Mich lässt er höchstgradig verwirrt zurück. Wenn dieser paradoxe Fall mal nicht nach einer ausführlichen Online-Recherche meines Problems schreit. 


 

Sowas passiert doch nicht? Oder doch? Laut gewissen, ich möchte betonen etablierten, erfolgreichen und – man möchte meinen – seriösen Magazinen scheint diese Problematik jedoch höchst diskussionswürdig zu sein.

Da wundern wir Frauen uns, warum das Klischee „Frauen sind kompliziert.“ vorherrscht, wenn wir die einfachsten zwischenmenschlichen Kommunikationen nicht ohne die massenhaft vorhandenen Online-Dating-Ratgeber geregelt bekommen?Nun gut, ich gebe zu, dass meine Darstellung vielleicht ein wenig überspitzt ist und solche Artikel vielmehr dazu dienen sollen, der Leserin Antworten auf ihre vorhandenen Unsicherheiten durch simpel formulierten Hinweise zu gewähren. Und vielleicht auch ein stückweit die rosarote Brille zu entfärben. Aber trotzdem. Nicht alles zu Tode interpretieren, sich auch mal auf seine Intuition verlassen und ein bisschen mitdenken. Das reicht doch im Grund genommen schon aus.

Das wäre doch mal ein Rat, bei dem es sich lohnen würde ihn zu beherzigen.

 
 
 

 

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