My ballet story I Meine Ballett Geschichte

Hell schimmerte der Boden unter ihren Füßen während sie die Augen schließt. Irgendwo zwitschert ein Vogel, dessen Gesang durch das leicht geöffnete Fenster dringt. Sie bringt ihre Arme in die richtige Position und wartet. Ein sanftes Lächeln huscht ihr übers Gesicht. Dieser Moment gehört ihr, sie kann dem Alltag entfliehen, alles für wenige Minuten fallen lassen. Sich dem Tanzen und der Musik hingeben. Leben. Die sanfte Musik beginnt durch ihren Körper zu fließen. Mit noch immer geschlossenen Augen macht sie den ersten Schritt. Es fühlt sich an als würde sie schweben, als sie ihren Fuß aufstellt und nur auf Spitze steht. Es fühlt sich an wie eine sanfte Brise, als sie ihre Pirouetten dreht. Es fühlt sich verträumt an, nicht wirklich real, wenn sie ihren Fuß zum Himmel hebt. Sie träumt. Sie träumt mit den Füßen, tanzt mit dem Herzen. Die Mühe und Arbeit die sie hinter sich hat ist in diesem Moment vergessen. Vergessen sind die Schmerzen, die Verzweiflung und das Gefühl es nicht gut genug zu machen. Alles was zählt ist die Musik und das Gefühl der Freiheit, das sie durchströmt.

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Heute möchte ich euch mal etwas über eines meiner Hobbys erzählen. Wie ihr vielleicht wisst ist neben dem Bloggen, Ballett eine meiner großen Leidenschaften und weil das auch irgendwie ein Teil von mir ist möchte ich euch heute mal ein bisschen was über meine Ballett Erfahrungen erzählen. Teilte doch eure Geschichte in den Kommentaren, wenn ihr auch tanzt oder getanzt habt. Egal ob Ballett oder nicht.

 

Ich habe Ballett schon immer geliebt. Schon immer haben mich Ballerinas, Tutus und Spitzenschuhe fasziniert. Als kleines Kind habe ich fast ausschließlich klassische gehört und dazu in unserer damaligen Wohnung getanzt und Ballettaufführungen veranstaltet. Ich war noch keine vier Jahre alt als ich anfing Ballett zu tanzen. Es existieren Videos. Kein wirklich überragender Anblick aber mich hatte es glücklich gemacht. Dann mussten wir umziehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich etwa zwei, drei Jahre getanzt. Es dauerte nicht lange bin wir eine neue Tanzschule fanden. Dort war ich die jüngste, obwohl ich zu den größten zähle. Ich fand keinen Anschluss, bei den viel älteren Mädchen und auch mit der Ballettlehrerin kam ich nicht wirklich zurecht. Ihr Auftreten hatte für mich einfach nicht viel mit Ballett zutun und irgendwie mochte sie mich nicht. Trotzdem tanzte ich dort einige Jahre, bis ich mich traute meiner Mutter zu erzählen. dass es mir dort keinen Spaß mehr machte. Nicht, dass ich von meinen Eltern unter Druck gesetzt worden wäre oder ähnliches, das wurde ich nie. Ich beendete also das Jahr dort und kündigte. Ich wollte das Ballett allerdings auf keinen Fall aufgeben und so verbrachte meine Mutter viele Nachmittage damit mich zu den verschiedensten Tanzschulen im Umkreis zu fahren um eine geeignete zu finden. Relativ weit von meinem Wohnort entfernt fanden wir dann eine Tanzschule, die mir zusagte. Für mein Alter war ich allerdings noch immer sehr groß und da das auf der Bühne nicht „harmonieren“ würde, befand ich mich mit knapp zwölf Jahren in einer Ballettgruppe mit 14-jährigen Mädchen. Doch das Tanzen machte mir wieder Spaß und als ich mit Spitzenschuhen anfangen durfte, was ich natürlich zurecht total nervös. Damals war ich etwa 11 Jahre alt, was aus heutiger Sicht viel zu früh ist um mit dem Spitzentanz zu beginnen. Aus 60 Minuten, wurden 90 Minuten Ballettunterricht, der mich nicht selten an den Rand der Verzweiflung brachte, weil ich einfach noch nicht so viel Kraft und Ausdauer hatte. Trotzdem zog ich das Ganze etwas über ein Jahr durch. Blutende Füße, Blasen und jede Menge Muskelkater mit eingeschlossen. Als es dann um meinen Übertritt ans Gymnasium ging entschloss ich mich dazu aufzuhören. Zum einen war ich der Ansicht, dass ich viel zu viel zu lernen hätte und um ehrlich zu sein fehlte mir damals die Motivation das Ballett durchzuziehen, was auch nicht verwunderlich ist.

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photo by Theresa

Im Nachhinein würde ich mir wünschen, ich hätte nicht aufgehört. Die folgenden vier Jahre haben mich in meinen Fähigkeiten im Ballett extrem zurückgeworfen. Auch wenn ich es in dem Moment als richtig empfand aufzuhören, hat mich das Ballett nie losgelassen. Meine Spitzenschuhe hingen seitdem jeden Tag in meinem Zimmer und sehr oft zog ich sie an und tanzte damit durch mein Zimmer. Nur wenige Jahre danach, wünschte ich mir nicht aufgehört zu haben. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht den Mut oder die Zeit Ballett wieder anzufangen. Stundenlang sah ich mir gefilmte Ballettaufführungen und Videos auf Youtube an. Irgendwann stellte ich fest, dass es keinen Grund gab nicht wieder zu beginnen. Auch wenn ich damals schon 15 war und ich mich zu „alt“ fühlte, dachte ich mir, dass ich es besser jetzt tun sollte als wenn ich 17 wäre. Ich entschloss mich also mir eine Ballettschule anzusehen und ohne noch weitere besichtigen zu wollen meldete ich mich dort an. Nachdem ich meine eingerosteten Grundkenntnisse aufgefrischt hatte, war ich zwar noch immer nicht in der Form wie damals (und bin es auch heute noch nicht komplett wenn es um Beweglichkeit geht). Nach einem halben Jahr aber, in dem ich mich jeden Tag auf die wöchentlichen Ballettstunden freute bot meine Ballettlehrerin mir an, dass ich mit Spitzentanz anfangen könnte. Das war von vornherein mein Ziel gewesen, jedoch hatte ich nicht erwartet so bald wieder auf Spitze tanzen zu können. Mit einem Mädchen, dass ebenfalls mit dem Spitzentanz anfangen würde kaufte ich die Spitzenschuhe in München und schon bald hatten wir unsere erste Spitzentanzstunde. Mittlerweile sind wir Freunde geworden :)

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Ich tanze weil ich es liebe, weil ich dadurch Kraft finden kann. Und Ruhe. Nicht selten stehe ich in meinem (für Ballett viel zu kleinem Zimmer) und übe Pliés, Devéloppes und Pirouetten. Ich lerne Vokabeln während ich Pas de bourres mache und scrolle durch meinen Instagramfeed während ich mich dehne. Ich höre ausschließlich klassische Musik zum lernen und werde wohl nie genug von Ballettvideos auf Youtube kriegen. Während Andere Selena Gomez bewundern, schwärme ich für Natalia Osipovas Fouettes (Fouettes sind ähnlich wie Pirouetten) und während andere ein neues Album oder einen Film loben, würde ich am liebsten den ganzen Tag über Schwanensee und Nussknacker reden.

So bin ich einfach. Und auch wenn ich manchmal Muskelkater habe, dass ich mich kaum noch rühren kann, weil ich mal wieder nicht genug bekommen habe und nach der Ballettstunde zuhause noch geübt habe, oder wenn ich Blasen an den Füßen habe ist mir das egal. Ich will weiter tanzen. Ich will mehr Pirouetten machen könne, meine Devéloppes verbessern und meine Ausdauer erhöhen. Denn am Ende eines Tages weiß ich, dass ich etwas tue was mir hilft und was ich liebe.

So. Ein ziemlich langer Text (Würde mich wundern, wenn es überhaupt jemand bis hierher geschafft hat :D) über meinen Traum vom Ballett. Ich kann euch nur sagen, egal was es ist: Macht es, egal ob es schon zu spät sein könnte. Versucht es wenigstens.

Vielleicht tanzt du ja? Oder hast als kleines Kind mal getanzt? Schreibt mir eure Gedanken dazu in die Kommentare :)

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