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A

ls Dutt kann man das Knäul aus zusammengedrehten Haaren, die notdürftig mit einem Haargummi zusammengehalten werden nicht bezeichnen. Die schwarze Brille auf der Nase, kein Makeup im Gesicht. Am Körper die ältesten und ausgewaschensten Klamotten und bunte gestrickte Socken an den Füßen. Das Macbook vor sich auf dem Tisch. Auf dem Tisch: Eine Tasse Kaffee, Stifte, Blätter und ein mit kleinen Post-Its versehenes Grundgesetz.

Das bin ich. Heute. An einem Samstagabend. Genauer gesagt ist es schon Sonntag. Der Sonntag meines 20. Geburtstag.

Mir war nicht nach feiern zumute. Und das ist noch nicht einmal traurig gemeint oder soll bedauernswert klingen.

Vor einigen Monaten wäre das so nicht passiert. Nicht an einem Samstagabend – geschweige denn an meinem Geburtstag. Nicht mit mir. Da hätte das anders ausgesehen. Ganz anders.

Da wäre ich vermutlich an der Bar gestanden. Die Haare gelockt, die Augen dunkel geschminkt. Ich hätte den Strohhalm meines Drinks hin und her gedreht, während ich mich lachend und beinahe schon schreiend mit Freunden unterhielt. Über die Schulter hätte meine kleine schwarze Tasche gehangen in der sich Handy, Geld, Ausweis, Lippenstift und Schlüssel befanden. Ich hatte diese Dinge achtlos in meine Tasche geworfen, als ich vor wenigen Stunden das Hupen des Autos an der Straße gehört hatte. Einen letzten Blick hatte ich in den Spiegel geworfen um dann in hohen Schuhe zum haltenden Auto zu hasten, mich auf die Rückbank zu werfen und zu seufzen. „Meine Woche war einfach nur beschissen, ich brauche das heute echt.“

Es war es zu einer Routine geworden. Es war nichts Besonderes mehr, wir zelebrierten irgendwann nichts mehr. Wir feierten obwohl wir nichts zu feiern hatten. Außer vielleicht meiner Fähigkeit Alkohol zu trinken und am nächsten Tag ohne Kater aufzuwachen.

Einige Zeit lang traf man mich wohl auf gefühlt jeder zweiten Party an. Wenn ich ein Wochenende zuhause bleiben sollte, hatte ich das Gefühl mir würde etwas fehlen. Viel zu schnell hatte ich mich an die laute Musik und das Gedränge gewöhnt und war irgendwie ein Teil davon geworden.

Irgendwie war alles so neu und so aufregend. Wenn man 17 Jahre lang viel zu brav war, nichts Unüberlegtes tat, sich an jede noch so sinnlose Regel hielt, dann genießt man die Freiheit die man eigentlich die ganze Zeit über hätte nutzen können noch mehr. Weil man das Gefühl hat, das man all diese Jahre etwas verpasst hat. Und das will man nachholen. Um jeden Preis. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Und eins muss man mir lassen. Nachgeholt habe ich so einiges. Ich hatte das Gefühl mich in einem Film zu befinden, der auf doppelter Geschwindigkeit lief.

Wir lachten und tanzten und tranken. Wir feierten, obwohl wir am nächsten Tag früh aufstehen mussten. Wir genossen die kostenlosen Getränke, die wir uns mit einem charmanten Lächeln organisierten. Wir tanzten bis die Clubs schlossen. Wir redeten mit Fremden, als wären sie unsere besten Freunde. Manchmal brachten wir uns in die unmöglichsten und dümmsten Situationen und am Ende haben wir darüber gelacht und das unter „heftiger Abend“ verbucht. Alles wurde immer schneller, bunter und krasser.

Aber irgendwann kam der Punkt an dem es endgültig zu viel wurde. Zu viel laute Musik, zu viele Menschen, zu viele durchgemacht Nächte. Zu unrealistisch, zu fern von der Realität. Ein hohes Surren im Ohr, grelle Lichter, wummernde Bässe. 

Und dann.

Die harte Bruchlandung auf den Boden der Tatsachen.

Ohne Vorwarnung. Einfach so.

Keine Verletzungen – aber ein Schreck.

Manche Menschen würde wohl noch immer sagen, dass meine „Party-Phase“ harmlos, noch immer wohl-überlegt und niemals grenzüberschreitend war.

Was habe ich daraus gelernt? Brav sein bringt dich in deiner persönlichen Entwicklung nicht zwingend weiter. Wenn dir nach etwas ist, dann mach es. Kontrolliert. Vorsichtig. Bedacht. Aber mach es. Denk nicht zu lange darüber nach.

Aber sei dir einer Sache immer bewusst: Das Leben ist keine Party. So funktioniert es nicht. So sorglos, so ohne Gedanken an den nächsten Morgen. Das ist allenfalls eine ab und zu willkommene Flucht aus dem Alltag, aber das ist niemals die Realität. Und das sollte man immer im Hinterkopf behalten.

Naja vielleicht werde ich auch einfach alt. Äußerlich 20, innerlich 40. Kommt schon hin. Ab und zu gehe ich aber immer noch feiern. Und das sogar gerne.

Es gibt tausend Dinge, über die reden könnte. So viel hat sich in den letzten Jahren verändert – wenn nicht sogar im letzten Jahr. Ich habe Abitur gemacht, habe angefangen zu studieren und zu arbeiten, ich bin umgezogen – und das ist erst der Anfang. 

 

 

 

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Der heutige Post ist wieder ein Beitrag mit Styleseven. Für diesen Monat haben wir uns das Thema Lederjacke ausgesucht. In den Fotos trage ich meine liebste Lederjacke. Das war damals mein absolutes Lieblingsteil, wenn ich feiern gegangen bin. Und ganz ehrlich: Die Jacke mag ich immer noch verdammt gerne ;)

Wenn Ihr noch ein paar andere Inspirationen für Lederjacken braucht, dann schaut doch gerne mal bei den anderen vorbei!

 

 

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